Jahresrückblick 2025 – Das Jahr, in dem ich mir meinen Platz genommen habe

Das Jahr, in dem es enger wurde
2025 war kein Jahr, in dem mein Leben größer wurde.
Es war ein Jahr, in dem es enger wurde. Und genau darin lag seine Wahrheit.
Nicht, weil ich falsch war.
Nicht, weil ich gescheitert bin.
Nicht, weil mir etwas fehlte.
Sondern weil die Identität, aus der ich lange gelebt hatte, mir nicht mehr entsprach.
Und mir begegneten meine alten, überwunden geglaubten Muster noch einmal mit voller Wucht.
Was sich wie Enge anfühlte, war kein Mangel.
Es war ein inneres Nein zu einem Leben, das mich nur trug, solange ich mich selbst überging.
Rückblickend sehe ich kein Jahr voller Ereignisse.
Ich sehe ein Jahr des Rückbaus.
Des Stilllegens.
Des bewussten Abtragens dessen, was einmal sinnvoll schien, Normalität war – und irgendwann Grenze wurde.
2025 war kein lautes Jahr.
Aber es war ein ehrliches.
Ein Jahr, in dem ich aufgehört habe, mich selbst im Sinne dessen, was ,,man“ so tut um dazuzugehören, zu korrigieren.
Und begonnen habe, mir zu glauben.

Meine Instagram – Reels als Spiegel meines Jahres
Wenn ich heute durch meine Inhalte aus 2025 scrolle, sehe ich keinen Plan.
Ich sehe Bewegung.
Diese Reels sind entstanden, weil mir bestimmte Dinge bewusst wurden und ich die Erkenntnisse, die ich hatte immer mehr in mein Leben integriert habe.
Themen wie:
Anpassung.
Erschöpfung.
Unterforderung.
Die wiederkehrende Frage, warum Funktionieren plötzlich nicht mehr funktionierte. Ich habe mir diese Frage nicht bewusst gestellt. Sie hat sich gestellt – über meinen Körper, über Müdigkeit, über Widerstand. Erst später bekam sie Worte.
Ich habe nicht nur über diese Themen gesprochen, weil sie „relevant“ waren.
Ich habe auch über sie gesprochen, weil sie für mich wahr waren.
Mein Jahr lässt sich weniger an äußeren Meilensteinen ablesen als an den Mustern, die immer wieder auftauchten. Die ich dieses Jahr ganz bewusst wahrgenommen habe.
Sie waren kein Zufall.
Sie waren Hinweise.
Hinweise darauf, dass sich etwas verschoben hatte.
Leise.
Aber unumkehrbar.

Der Abschied vom Funktionieren und der Anpassung
Anpassung war nie mein persönlicher Makel.
Sie war eine kluge Strategie.
Ich habe gelernt, mich selbst zurückzunehmen, um andere nicht zu überfordern oder zu verletzen.
Meine Wahrheit zu glätten, damit sie anschlussfähig bleibt.
Harmonie zu sichern – auch dann, wenn sie nur existierte, solange ich mich selbst verließ.
2025 habe ich begonnen, das nicht mehr zu tun.
Nicht aus Rebellion.
Nicht aus Härte (das fühlte sich häufig so an)
Sondern aus Selbstachtung/ weil ich mich wirklich ernst genommen habe.
Ich habe aufgehört, meine Worte so zu wählen, dass sie möglichst niemanden irritieren.
Ich habe aufgehört, Brücken zu bauen, wenn auf der anderen Seite keine Pfeiler standen. Ich habe angefangen meine Wahrheit auszusprechen. Ich habe aufgehört, mich zu verstecken. Ich habe angefangen, mich zuzumuten.
Manche Verbindungen hielten das nicht aus. Manchmal passte es dann nicht mehr.
Und das war kein Scheitern.

Als mir klar wurde, dass meine alte Identität nicht mehr trägt
Dass sich vieles schwerer anfühlte, war kein Rückschritt.
Es war das erste Jahr, in dem ich meinen Körper nicht mehr übergangen habe.
Mein Körper verhandelt nicht.
Wenn er Nein sagt, ist das kein Drama. ( Das habe ich früher immer falsch interpretiert und falsche Schlüsse daraus gezogen.)
Es ist eine klare Information!
Lange dachte ich, mein Leben sei eng, weil äußere Umstände es erfordern. Außerdem dachte ich lange, dass ich mein Potential nicht entfalten konnte und es war mir nach und nach immer weniger möglich.
Heute erkenne ich:
Die Enge kam aus einer Form, die ich viel zu lange bewohnt hatte. Ich lebte immer wieder in der alten Identität und in meinen alten Mustern.
Ich habe begonnen, meinem Körper zuzuhören.
Und das hat vieles verlangsamt – aber nichts zerstört. Im Gegenteil: es hat mich weiter zu mir selbst geführt.
Ein wirklich bemerkenswertes Erlebnis hatte ich mit der Katze meiner Gesangslehrerin. Sie war noch nie in den Übungsraum gekommen. Sie ist normalerweise sehr scheu. An einem Tag, an dem ich ganz bei mir war, kam sie das erste Mal in den Raum und ließ sich eine Weile von mir streicheln. Anschließend setzte sich sich hinter mir auf das Fensterbrett, blieb dort auch eine Weile. Später kam sie nocheinmal zu mir und ließ sich wieder streicheln. Für mich war das ein ganz bedeutsames Erlebnis, was mich immer wieder gedanklich begleitet.

Der Preis der Klarheit
Klarheit ist nicht sanft.
Sie ist nüchtern. Sie ist häufig ungewohnt. Sie scheint Verbindung erst wirklich möglich zu machen.
Ich habe gesehen, wie viele Beziehungen nur funktionierten, solange ich mich übersetzte.
Solange ich mich erklärte.
Solange ich mich kleiner machte oder auch dimmte, um nicht zur Last zu fallen. Um nicht zuviel zu sein. Solange ich mich kleiner machte, weil ich meiner eigenen Größe nicht traute. Solange ich die Verantwortung für das Gelingen der Beziehungen übernahm.
Als ich damit aufhörte, entstand Distanz.
Nicht, weil ich kälter wurde.
Sondern weil ich präziser wurde. Weil ich mir selbst gegenüber ehrlich wurde. Ich habe meine Wahrheit nicht mehr nur gedacht, sondern wirklich ausgesprochen. Weil ich nicht mehr die Rollen bediente, in denen mich mein Umfeld kannte
Erst durch die Distanz ist mir aufgefallen, dass Nicht-gesehen-werden nicht Schuld meines Umfeldes ist.
Es ist ein Hinweis auf fehlende Passung.
Und nicht jede Distanz ist ein Verlust. Manche ist notwendig, um sich selbst wieder sehen zu können. Das sehe und fühle ich heute.

Bewusstwerdung betäubt nicht
Warum wurde alles anstrengender?
Warum müder?
Nicht, weil etwas falsch lief.
Sondern weil nichts mehr betäubt wurde.
Bewusstheit kostet Kraft, weil sie ehrlich ist.
Weil sie nichts übergeht.
Weil sie nicht beschwichtigt. Weil sie zeigt, welche Brücken zu bauen Sinn macht und welche zu sehr entschuldigen und mir doch wieder die Verantwortung für emotionale Regulation zuschieben und Hinnehmen von No-Go´s mich in alte Rollen rutschen lassen. In alte Rollen von Bedürftigkeit und Angst vor Verlust von Menschen und Zugehörigkeit.
2025 war ein Jahr ohne Abkürzungen.

Der innere Widerstand gegen Klarheit
Klarheit fühlt sich nicht sofort richtig an. Sie fühlt sich eher herausfordernd an. Manchmal hätte ich sie am liebsten wieder ,,zurückgelegt“
Weil sie alte Loyalitäten in Frage stellt. Weil sie alte Rollen beendet, die Sicherheit gegeben haben. Weil sie Beziehungen prüft, die nur gehalten haben, solange ich mich angepasst habe.
Es gab Moment, in denen ich mir wünschte, ich könnte ,,einfach wieder funktionieren“. Nicht weil es mir gutgetan hätte – sondern weil es vertraut war.
Aber genau das war der Punkt. Vertraut bedeutet nicht stimmig. Und Frieden um den Preis der Selbstaufgabe war keiner mehr.

Ein Nein ohne Erklärung
Zwei Momente steht exemplarisch für dieses Jahr.
Eine Einladung.
Früher hätte ich abgewogen, erklärt, gerechtfertigt.
Hätte versucht, verständlich zu bleiben. Freundlich zu bleiben, damit die Verbindung nicht abreißt. Und am Ende wäre ich vermutlich doch hingegangen …
Diesmal nicht.
Ich habe Nein gesagt.
Ohne Begründung.
Ohne Geschichte.
Dieses Nein war kein Rückzug von anderen.
Es war ein Ja zu mir. Weil es notwendig war. Und weil ich es mir wert bin.
Ich habe es ausgehalten, dass ich nicht wie gewohnt gehandelt habe und die Verbindung ist nicht abgerissen
Und ich habe das erste Mal kommuniziert, dass ich eine Beziehung gerade nicht pflegen kann – ohne mich von den möglichen Konsequenzen abhalten zu lassen. Auch hier habe ich mich nicht wie sonst erklärt, entschuldigt, gerechtfertigt. Und ich habe mich gegen den Impuls entschieden, noch einmal zu schreiben. Nicht weil ich abgestumpft bin, sondern weil ich endlich erkannt habe, was ich automatisiert getan habe.
In diesem Jahr hat mein Körper so einige Male die Reißleine gezogen und ich konnte Erschöpfung oder inneren Widerstand gegen etwas immer besser richtig einordnen. Als Signal, dass Selbstfürsorge jetzt nicht verhandelbar ist.
Das ist kein Egoismus. Das ist Selbstverantwortung.
An einem Punkt wurde mir klar, dass es nicht mehr um Beziehung ging. Sondern um meinen Platz.
Der Stuhl

Irgendwann stand da ein leerer Stuhl.
Kein Thron.
Und doch ein Symbol meiner Gestaltungsmacht.
Ein schlichter Platz.
Mir wurde klar:
Dieser Platz war lange frei.
Häufig saß jemand anderes darauf. So fühlte es sich an. Was mir lange nicht klar war:
Ich habe ihn selbst nicht eingenommen.
Ich war sozusagen im Raum.
Aber ich saß nicht. Ich hatte diesen Platz nie mit mir in Verbindung gebracht.
2025 habe ich mich hingesetzt. Auf meinen Platz.
Selbstführung beginnt leise
Ich habe gelernt, dass Entwicklung kein Drängen ist.
Dass Rückschritte Hinweise sind.
Und dass Selbstführung bedeutet, sich selbst nicht mehr zu übergehen – auch dann nicht, wenn es unbequem wird.
Ich darf wählen.
Nicht beliebig.
Aber verbindlich. Für mich.

Wofür ich dankbar bin
Ich habe mein Leben verändert, ohne wegzugehen – und ohne mich selbst zu übergehen. Für meinen Mann und meine Kinder. Für die Verbindung zu guten Freundinnen, mit denen ich einfach sein darf. Für meine engste Freundin, die meine Frequenz spricht.
Für die Möglichkeit mit meinen wunderbaren Klientinnen zu arbeiten. Ich habe soviele Frauen kennengelernt, die mich wirklich beeindrucken. Frauen, die spüren, dass alten Strukturen und Überzeugungen und Rollen sie nicht mehr tragen – und trotzdem oder gerade deswegen weitergehen. Weil sie sich selbst nicht länger verlieren wollen.
2026
Und mit all dem gehe ich weiter.
Nicht lauter.
Nicht härter.
Aber eindeutiger.
Ich werde Beziehungen leben, die mich sehen – nicht welche, die ich meine zu brauchen. Oder die meinen, mich zu brauchen.
Und ich werde mir selbst den Platz lassen, den ich mir 2025 eingeräumt habe.
Das Jahr 2025 hat mir gezeigt, dass nicht jede Veränderung laut beginnt und durchaus auch Umwege beinhalten kann.
Manche Veränderungen beginnen leise mit einem inneren Nein, das nicht mehr übergangen werden kann.
Ich arbeite mit Frauen, die genau an diesem Punkt stehen. Sie stehen an einer Schwelle. Dort wo gelernte und eingeübte Strategien nicht mehr greifen. Wo Anpassung nicht mehr funktioniert. Weil sie unangenehme Konsequenzen hat. Wo Klarheit nicht mehr theoretisch sein kann, sondern zum Handeln auffordert.
Es geht hier nicht um Selbstoptimierung. Meine Arbeit richtet sich an Frauen, die bereit sind ihre eigene innere Autorität ernstzunehmen. Die nicht mehr fragen, wie sie besser funktionieren, sondern wie sie sich selbst treu bleiben. Auch dann wenn es unbequem wird.
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst, dann nicht weil du ein Problem hast oder bist. Sondern weil etwas in dir bereit ist, geführt zu werden – von dir selbst.
Wenn du merkst, dass Anpassung für dich keine Option mehr ist und du dir selbst gegenüber verbindlich werden willst, findest du hier die Möglichkeit https://corinnavondermuehlen.de/termin-buchen/ ein unverbindliches Orientierungsgespräch zu buchen.

Liebe Corinna,
wow, war für ein Prozess! Für sich selbst einzustehen ist oft sehr schwer, aber es ist ein sehr notwendiger Schritt, um bei sich selbst zu bleiben.
Früher habe ich auch oft Ja gesagt, auch, wenn ich es nicht wollte. Nur, um nicht ausgegrenzt zu sein.
Mittlerweile sage ich auch frei meine Meinung und sehr oft Nein, wenn ich etwas nicht möchte.
Schön, dass 2025 dich dazu gebracht hat. Mach weiter so!
Ich wünsche dir ein gutes Jahr 2026.
Liebe Grüße
Christine
Liebe Christine, das ist schön zu hören, dass du es auch jetzt anders machst. Ja, das ist wirklich ein Prozess. Und ich war der Meinung, dass ich das schon bearbeitet habe. Doch es ist gut, dass es nochmal ganz deutlich geworden ist, so dass ausweichen nicht möglich war.
Ich wünsche dir auch alles Gute für 2026!
Liebe Grüße
Corinna
Hallo Corinna,
was für eine bedeutende Geschichte.
Ich freue mich sehr für dich und habe Freude deine Sicht auf 2025 und dein Leben zu lesen.
Herzliche Grüße
Verena
Liebe Verena,
herzlichen Dank. Ich freue mich sehr über deine Rückmeldung.
Herzliche Grüße
Corinna