Was ich dem anderen erlaube, beginnt bei dem, was ich mir selbst erlaube

Berggipfel im Nebel als Symbol für innere Klarheit und Selbstführung

Wenn Verletzung zur stillen Zustimmung wird

Lange Zeit dachte ich, dass ich Opfer der Umstände bin. Dass andere über mich hinweggehen. Dass ich übersehen, missverstanden oder nicht ernst genommen werde. Ich habe mich in Rollen wiedergefunden, in denen ich zu viel erklärt, zu viel gehalten, zu wenig gefordert habe. Und irgendwann kam der Gedanke: Vielleicht liegt es nicht nur am Gegenüber. Vielleicht habe ich unbewusst zugestimmt. Vielleicht habe ich nicht einfach „nichts getan“, sondern – ganz aktiv – nicht gehandelt.

Ich habe dem anderen erlaubt, mich so zu behandeln.

Weil ich mir selbst nicht die Erlaubnis gegeben habe, für mich einzustehen.

Stattdessen war ich ganz schockiert darüber, wenn meine Grenzen nicht eingehalten wurden. Ich habe anderen die Verantwortung für mich übergeben. Wenn ich heute darüber nachdenke, finde ich das ganz furchtbar. Doch damals waren mir die Zusammenhänge nicht bewusst.

Wenn fehlende Selbstanbindung zu Grenzverletzungen führt

Wenn ich in Situationen zurückschaue, in denen ich verletzt war, sehe ich heute oft: Ich war nicht klar. Ich war nicht bei mir und nicht in meiner Autorität. Ich war im Aussen, bei anderen. Ich habe mich erklärt, entschuldigt, angepasst. Ich wollte Verbindung um jeden Preis – und habe mich dabei selbst zurückgestellt.

Und dann war ich enttäuscht, wenn mein Gegenüber sich auf eine Art verhalten hat, die nicht gut für mich war. Aber: Ich hatte nie gesagt, was gut für mich ist.

Warum wir uns klein machen, obwohl wir innerlich Nein meinen

Ich hatte nie wahrgenommen, dass ich mich groß machen darf. Dass ich klar sagen darf: „So möchte ich nicht behandelt werden.“ Ich hatte Kooperationssignale gesendet – obwohl ich innerlich Nein meinte. Ich war freundlich, obwohl ich klar sein wollte. Ich war nachgiebig, obwohl ich etwas anderes gebraucht hätte.

Menschen reagieren auf deine innere Haltung

Und das Spannende ist: Die meisten Menschen kooperieren mit uns. Wenn ich mich klein mache, reagieren andere auf mein Kleinsein. Wenn ich mich erkläre statt zu fühlen, reagieren sie auf meine Erklärung.

Das bedeutet nicht, dass sie schuld sind. Es bedeutet, dass ich mich nicht gezeigt habe. Nicht klar. Nicht in meiner Wahrheit. Nicht in meiner Größe.

Keine Schuld – sondern fehlende innere Autorität

Ich habe – aus alten Loyalitäten, aus alten Mustern, aus Angst vor Ablehnung – keine Autorität über mich selbst übernommen.

Wenn ich meine eigene Autorität nicht nehme, wird das Leben für mich entscheiden. Oder andere Menschen. Und ich werde glauben, ich sei Opfer der Umstände.

Doch in Wahrheit habe ich es erlaubt. Ich habe es mitgetragen. Ich habe nicht gestoppt, was mir nicht gut tat. Und ich habe nicht eingefordert, was ich brauchte.

Klarheit statt emotionaler Eskalation

Das zu erkennen, hat nichts mit Schuld zu tun. Es hat mit Klarheit zu tun. Und Klarheit ist heilsam.

Heute beobachte ich meinen Ärger anders. Er ist kein Zeichen von Schwäche. Er ist mein Signal. Mein Wegweiser.

Ärger als Signal für übergangene Grenzen

Wenn Ärger aufkommt, frage ich mich:

Was habe ich gerade nicht gesagt?
Wo habe ich meine Grenzen nicht gezeigt?
Wo war ich in Kooperation, obwohl ich in Klarheit hätte sein sollen?
Was habe ich mir nicht erlaubt?

Selbst-Erlaubnis als Schlüssel für Veränderung

Ich erlaube mir, mich zuzumuten. Ich erlaube mir, groß zu sein. Ich erlaube mir, nicht zu erklären, sondern zu fühlen. Ich erlaube mir, Nein zu sagen. Ich erlaube mir, in meiner Frequenz zu bleiben – auch wenn sie unbequem ist.

Warum echte Verbindung keine Selbstverleugnung braucht

Nur wenn ich mir selbst diese Erlaubnis gebe, kann ich sie auch anderen entziehen. Ich kann sagen: „Das ist nicht in Ordnung.“ Ich kann führen, statt zu bitten. Ich kann Verantwortung übernehmen für das, was ich brauche – und was ich zulasse.

Das ist kein Bruch mit der Verbindung. Das ist der Beginn von echter Beziehung. Zu mir. Und zu anderen.

Die eine Frage, mit der Selbstführung beginnt

Jedes Mal, wenn ich merke, dass ich in Drama rutsche, frage ich mich:

„Was habe ich mir gerade nicht erlaubt?“

Das ist oft der Moment, in dem ich mich selbst verliere. Und auch der Moment, in dem ich mich zurückholen kann.

Mit Klarheit. Mit Autorität. Mit Liebe zu mir selbst

Für mich.

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