„Wie wäre es, wenn du einfach mal vorbeikommst?“

Symbolbild einer Frau in Gedanken, die den Blick senkt - Ausdruck von innerer Zerrissenheit, emotionaler Erschöpfung und Identitätssuche

Der Satz, mit dem bei mir alles anfing.

Manche Sätze höre ich immer wieder, in leicht unterschiedlichen Worten, von unterschiedlichen Frauen. „Ich funktioniere. Aber ich bin nicht da.“ Oder: „Ich weiß nicht mehr, wer ich bin, wenn ich nicht gerade liefere.“

Es sind selten die großen Krisen, an denen sich das zuerst zeigt. Es sind kleine, fast banale Momente im Alltag.

Du sitzt in einem Meeting. Ziemlich am Anfang wird dir klar, worauf es hinausläuft. Du sagst es, klar und konkret. Jemand fällt dir ins Wort: „Jaaa, aber…“ Oder: „Ich glaube, das ist zu kompliziert.“ Zwei Tage später kommen die anderen auf dieselbe Lösung. Und alle nicken, als wäre es ihre Idee gewesen. Du wirst still. Du ziehst dich zurück. Und fragst dich: Warum versteht das keiner? Bin ich komisch?

Oder du stehst in der Küche. Es ist laut, überall liegen Aufgaben. Ein Satz reicht: „Mama, wo ist…?“, „Kannst du mal eben…?“, und plötzlich ist es zu viel. Nicht wegen der einen Aufgabe, sondern weil gerade mehrere Dinge für die Kinder gleichzeitig geregelt werden müssen und du glaubst, das allein und perfekt hinbekommen zu müssen. Abgeben fühlt sich nicht an wie eine Option.

Oder es ist ruhiger als das. Familie, Job, Termine, alles läuft. Du funktionierst. Aber innerlich ist da nichts. Du spielst eine Rolle, in der du gut bist. Nur: gelebt hast du heute nicht.

Oder es ist nachts. Du liegst wach, der Kopf rattert: Ich verliere mich. Ich weiß nicht mehr, wer ich bin. Die Angst kommt hoch, weil du gerade nicht einsortieren kannst, was mit dir passiert, und irgendwo die leise Sorge: Wenn ich das nicht in den Griff kriege, wird es für Körper und Kopf nicht leichter.

Vielleicht erkennst du dich eher in etwas anderem: Du hast immer viel geschafft, und merkst gerade, dass du es zunehmend weniger hinbekommst. Nach außen funktionierst du noch, innerlich stellst du alles infrage. Bei der einen fängt irgendwann der Körper an, Zicken zu machen. Er macht nicht mehr mit, wo der Kopf noch tapfer weiterläuft. Bei der anderen ist es umgekehrt: Nebel im Kopf, plötzlich fällt dir nichts mehr ein, selbst die einfachsten Dinge kriegst du nicht mehr hin.

Die Brille, mit der du das liest

Wenn du dich in einem oder mehreren dieser Momente wiedererkennst, ist die naheliegende Erklärung meistens die falsche. Mit dir stimmt nichts nicht.

Es liegt an einer Brille, die du dir früh aufgesetzt hast, ohne es zu merken. Durch sie hast du beobachtet, was um dich herum passierte, und daraus die falschen Schlüsse gezogen. Deine Mutter war gestresst, und du hast gedacht: Ich bin zu anstrengend. Dabei war die Wahrheit: Deine Mutter war überfordert. Nicht wegen dir. Wegen ihres eigenen Lebens.

Durch diese Brille hast du gelernt: Ich bin falsch. Ich bin zu viel. Ich darf mich nicht zumuten. Ich muss dafür sorgen, dass es allen gut geht.

Diese Sätze fühlen sich wie Wahrheit an, weil du sie so lange mit dir herumträgst. Aber sie waren nie wahr. Es sind Geschichten, keine Fakten. Und Geschichten kann man umschreiben. Nicht über Nacht. Aber möglich.

Was sich ändert, wenn du dich zeigst

Der erste Schritt ist meist nicht, noch mehr zu leisten, sondern aufzuhören, dich unsichtbar zu machen.

Wenn du anfängst, dich zu zeigen, wirst du greifbar. Dein Umfeld kann endlich etwas mit dir anfangen, weil es dich sieht. Die Steine, die du dabei befürchtest, gibt es oft gar nicht. Die Befürchtung kommt aus einem alten Film, den du im Kopf laufen lässt, oder aus Schlüssen, die du früher gezogen hast, durch die alte Brille. Leg den Fokus auf dich, nicht auf die mögliche Reaktion des anderen. Und wenn doch mal Steine kommen: Die darfst du bei dem anderen lassen.

Vielleicht erinnerst du dich an einen Moment, in dem genau das dein Problem war: dass du nicht in die Veränderung gegangen bist, die du dir eigentlich gewünscht hast. Erst, weil du gar nicht genau wusstest, was das eigentlich heißt. Dann, weil dieses Hin und Her aus Stillstand und Chaos nicht auszuhalten war. Vielleicht macht dich dabei sogar traurig, dass die Version von dir, die du immer für die richtige gehalten hast, gerade verschwindet. Und du dich, vielleicht nicht bewusst, aber trotzdem, dafür entschieden hast, weiterzumachen wie bisher. Immer mit dem Gedanken: So schlimm wird es schon nicht. Das kriege ich schon irgendwie hin.

Und was, wenn dir das öfter passiert ist?

Mal ganz unter uns: Ich kenne das auch. Ich habe mehrere Jahre lang Dinge nicht umgesetzt und irgendwann festgestellt, dass ich wieder an dem Punkt angekommen war, an dem ich schon vor langer Zeit einmal stand. Das hat mich richtig geschockt. Trotzdem hat es noch Jahre gedauert, bis ich mir Hilfe gesucht habe, bis ich jemanden angesprochen habe. Beim ersten Telefonat mit einer Frau, die mir empfohlen worden war, haben wir nur kurz gesprochen, und ich hab direkt gesagt: Ich glaube, ich lass es lieber. Sie hat geantwortet: Wie wäre es, wenn du einfach mal vorbeikommst? Daraus wurde eine lange Zeit, in der sie mich begleitet hat. Sie hat den Grundstein dafür gelegt, dass ich später offen war für die Veränderung, die wirklich zählte, und dafür, mir jemanden zu suchen, der genauso gestrickt ist wie ich.

Ich habe selbst viele Jahre gebraucht, um dahin zu kommen, wo ich heute stehe. Genau deshalb ist mir diese Arbeit wichtig: damit es bei dir nicht genauso lange dauert. Ein Leben ohne die übliche Anpassung ist möglich, und mit der freien Wahl, dich mit anderen zu verbinden.

Es muss bei dir nicht genauso gewesen sein. Aber vielleicht erkennst du dich trotzdem wieder. Oder du merkst gerade ganz klar: Allein komme ich nicht weiter, weil ich meine eigenen blinden Flecken nicht sehe.

Wenn du dich wiedererkennst und dir Begleitung wünschst: Buch dir gerne ein kostenfreies und unverbindliches Kennenlerngespräch. Dann lass uns reden. Ich freue mich auf dich.

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